Trading-Gebühren verstehen: Kommissionen und Finanzierungskosten erklärt
Trading-Gebühren bestehen vor allem aus zwei Bausteinen: Kommissionen, die du pro Order zahlst, und Finanzierungskosten, die anfallen, wenn du eine gehebelte Position über Nacht hältst. Dazu kommt der Spread, der in fast jedem Kurs steckt. Für sich genommen wirken die Beträge klein, über viele Trades und lange Haltedauern können sie aber einen großen Teil deines Ergebnisses auffressen. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Broker die Kosten berechnen, und rechnen typische Fälle durch. Das Wicht
Trading-Gebühren bestehen vor allem aus zwei Bausteinen: Kommissionen, die du pro Order zahlst, und Finanzierungskosten, die anfallen, wenn du eine gehebelte Position über Nacht hältst. Dazu kommt der Spread, der in fast jedem Kurs steckt. Für sich genommen wirken die Beträge klein, über viele Trades und lange Haltedauern können sie aber einen großen Teil deines Ergebnisses auffressen. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Broker die Kosten berechnen, und rechnen typische Fälle durch.
Das Wichtigste in Kürze
- Kommission: wird pro Order fällig, als Festbetrag, Prozentsatz, pro Lot oder pro Kontrakt. Ein Round Turn, also Kauf und Verkauf, kostet die Kommission zweimal.
- Finanzierungskosten: fallen bei CFDs für jede Nacht an. Typisch ist ein Referenzzins plus ein Aufschlag des Brokers von 2,5 bis 3 Prozent pro Jahr.
- Rechenbeispiel: Eine Long-Position über 10.000 € kostet bei 5 Prozent Jahreszins rund 1,39 € pro Nacht, in 30 Nächten also rund 42 €.
- Wochenende: Für Samstag und Sonntag berechnen viele Broker an einem Wochentag die dreifache Gebühr.
- Wirkung: 80 Trades im Monat zu je 4 € Kosten sind 320 €, bei einem Konto mit 5.000 € also 6,4 Prozent pro Monat.
Welche Kosten fallen beim Trading an?
| Kostenart | Wann sie anfällt | Typisch bei |
|---|---|---|
| Kommission | bei jeder Order | Aktien, ETFs, Futures, Raw-Spread-Konten bei Forex |
| Spread | bei jeder Order, im Kurs enthalten | CFDs, Forex, Krypto |
| Finanzierungskosten | für jede Nacht, in der eine Position offen ist | CFDs, Forex, Krypto-Derivate, Wertpapierkredit |
| Fremdkosten | bei jeder Order | Börsenentgelte, Clearing, Handelsplatzgebühren |
| Sonstige Gebühren | laufend oder einmalig | Inaktivität, Währungsumrechnung, Marktdaten |
Kommissionen: die Gebühr pro Order
Die Kommission ist der Preis, den der Broker für die Ausführung deines Auftrags berechnet. Je nach Markt und Anbieter gibt es unterschiedliche Modelle.
| Kostenmodell | So funktioniert es | Beispiel |
|---|---|---|
| Festpreis | gleicher Betrag pro Order, unabhängig von der Größe | 1 € pro Order bei vielen Neobrokern |
| Prozentual | Anteil am Ordervolumen, oft mit Mindestgebühr | 0,25 Prozent, mindestens 5 € |
| Pro Lot | fester Betrag je gehandelter Lotgröße | Forex-Konto mit Rohspread, 3 $ pro Lot und Seite |
| Pro Kontrakt | fester Betrag je Futures-Kontrakt | einige Dollar je Kontrakt und Seite plus Fremdkosten |
Die Werte in der Tabelle sind Beispiele, die tatsächlichen Gebühren findest du im Preisverzeichnis deines Brokers.
Fremdkosten nicht vergessen
Neben der Kommission des Brokers verlangen Börsen und Clearingstellen eigene Entgelte. Bei Aktien sind sie oft in der Ordergebühr enthalten, bei Futures werden sie meist separat ausgewiesen. Dazu kommen bei Futures häufig monatliche Gebühren für Echtzeitkurse.
Rechenbeispiel: Round Turn bei Futures
Angenommen, dein Broker berechnet 0,75 $ Kommission je Mikrokontrakt und Seite, dazu kommen 0,50 $ Börsen- und Clearinggebühren je Seite. Für Kauf und Verkauf zahlst du dann 2 × (0,75 $ + 0,50 $) = 2,50 $ pro Kontrakt. Bei zehn Round Turns am Tag sind das 25 $, über 20 Handelstage 500 $. Was ein Tick beim jeweiligen Kontrakt wert ist und wie viele Ticks du allein für die Kosten verdienen musst, rechnest du mit unserem Futures-Rechner nach.
Der Spread: die versteckte Kommission
Viele CFD- und Forex-Broker werben mit „0 € Kommission“. Ihr Geld verdienen sie dann über den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Beim Kauf zahlst du den höheren Briefkurs, beim Verkauf erhältst du den niedrigeren Geldkurs. Wie sich der Spread zusammensetzt und wann er sich ausweitet, erklären wir ausführlich im Wiki. Für einen fairen Kostenvergleich rechnest du Kommission und Spread immer zusammen.
Finanzierungskosten: was Positionen über Nacht kosten
Bei gehebelten Produkten wie CFDs leiht dir der Broker rechnerisch den Teil der Position, den du nicht mit eigener Margin hinterlegst. Dafür berechnet er Zinsen, die sogenannte Übernachtfinanzierung, auch Overnight-Gebühr oder Swap genannt. Sie fällt für jede Nacht an, in der deine Position zum Stichtag des Brokers noch offen ist. Wer Positionen vor Handelsende schließt, zahlt sie nicht.
So berechnen Broker die Übernachtfinanzierung
Bei Index- und Aktien-CFDs setzt sich der Jahreszins meist aus einem Referenzzins für die jeweilige Währung und einem Aufschlag des Brokers zusammen. Der Aufschlag liegt typischerweise bei 2,5 bis 3 Prozent pro Jahr.
- Long-Position: Referenzzins plus Aufschlag
- Short-Position: Aufschlag minus Referenzzins
Die tägliche Gebühr ergibt sich aus: Positionswert × Jahreszins ÷ 360. Manche Märkte und Währungen rechnen mit 365 Tagen.
Rechenbeispiel Long und Short
Angenommen, der Referenzzins liegt bei 2 Prozent und der Aufschlag bei 3 Prozent. Du hältst eine Position im Wert von 10.000 €.
| Long | Short | |
|---|---|---|
| Jahreszins | 2 % plus 3 % = 5 % | 3 % minus 2 % = 1 % |
| Kosten pro Nacht | 10.000 € × 5 % ÷ 360 = rund 1,39 € | 10.000 € × 1 % ÷ 360 = rund 0,28 € |
| Kosten für 30 Nächte | rund 41,67 € | rund 8,33 € |
Wichtig ist der Bezug zur Margin: Hast du für die Long-Position mit einem Hebel von 1:20 nur 500 € hinterlegt, kosten dich 30 Nächte bereits rund 8 Prozent deines Einsatzes. Liegt der Referenzzins über dem Aufschlag, kann eine Short-Position sogar eine Gutschrift erhalten.
Wochenende und dreifache Gebühr
Auch über das Wochenende läuft die Finanzierung weiter. Viele Broker berechnen deshalb an einem Wochentag die dreifache Gebühr, bei Index-CFDs oft am Freitag, bei Devisen häufig am Mittwoch, weil sich dort die Abwicklung über das Wochenende verschiebt.
Swaps im Devisenhandel
Bei Forex-Positionen hängt die Gebühr von der Zinsdifferenz der beiden Währungen ab. Kaufst du eine Währung mit höherem Zins gegen eine mit niedrigerem, kann der Swap nach Abzug des Broker-Aufschlags positiv sein, umgekehrt zahlst du. Mehr zum Forex-Handel und zu CFDs findest du im Wiki.
Finanzierungskosten bei Futures, Aktien und Krypto
- Futures: Es gibt keine separate Übernachtgebühr. Die Finanzierung steckt im Preis des Kontrakts, der sich vom Kassakurs unterscheidet. Beim Wechsel auf den nächsten Kontrakt, dem Rollover, fallen aber erneut Kommission und Spread an. Wie das funktioniert, erklärt unser Wiki zum Futures Trading.
- Aktien und ETFs ohne Hebel: Kaufst du echte Wertpapiere mit eigenem Geld, gibt es keine Finanzierungskosten. Nutzt du einen Wertpapierkredit, zahlst du dafür Zinsen.
- Krypto-Derivate: Bei Perpetual Futures wird statt einer Übernachtgebühr eine Funding Rate zwischen Long- und Short-Seite ausgetauscht, häufig alle acht Stunden. Je nach Marktlage zahlst oder erhältst du sie. Details stehen im Wiki zum Krypto Trading.
Weitere Gebühren, die du kennen solltest
- Inaktivitätsgebühr: Manche Broker berechnen feste Beträge, wenn du einige Monate nicht handelst.
- Währungsumrechnung: Handelst du US-Aktien von einem Euro-Konto aus, fällt bei vielen Brokern ein Aufschlag auf den Wechselkurs an, oft einige Zehntel Prozent.
- Garantierter Stop-Loss: Bei manchen CFD-Brokern kostet er eine Prämie, die meist erst bei Auslösung fällig wird.
- Ein- und Auszahlungen: Bei den meisten regulierten Brokern kostenlos, bei einzelnen Zahlungswegen können Gebühren anfallen.
Wie stark Kosten deine Rendite drücken
Wie sehr Gebühren ins Gewicht fallen, hängt vor allem von deinem Trading-Stil ab. Ein Vergleich mit einem Konto über 5.000 € und Kosten von 4 € pro Round Turn:
| Daytrading | Swing Trading | |
|---|---|---|
| Trades pro Monat | 80 | 8 |
| Kommission und Spread | 320 € | 32 € |
| Finanzierungskosten | keine, da Schließung vor Handelsende | 2 Positionen über je 10.000 €, je 10 Nächte: rund 27,78 € |
| Kosten pro Monat | 320 € | rund 59,78 € |
| Anteil am Konto | 6,4 Prozent | rund 1,2 Prozent |
Beim Daytrading dominieren Kommission und Spread, beim Swing Trading wächst mit der Haltedauer der Anteil der Finanzierungskosten. Wer viele Trades macht, braucht deshalb einen Broker mit niedrigen Kosten pro Order, wer Positionen lange hält, achtet auf die Zinsen.
So senkst du deine Trading-Gebühren
- Kosten vor dem Trade kennen: Prüfe Kommission, Spread und Übernachtgebühr im Preisverzeichnis, bevor du einen Markt handelst.
- Weniger, aber bessere Trades: Jeder zusätzliche Trade kostet. Ein klarer Tradingplan verhindert Überhandeln.
- Produkt passend zur Haltedauer wählen: Für Positionen über Wochen sind CFDs mit täglicher Finanzierung oft teurer als echte Aktien, ETFs oder Futures.
- Liquide Märkte und Handelszeiten nutzen: In ruhigen Phasen und bei Nebenwerten sind die Spreads höher.
- Kosten im Journal erfassen: Trag Gebühren für jeden Trade ein. Erst dann siehst du, ob deine Strategie nach Kosten profitabel ist. Passende Tools zeigt unser Trading Journal Vergleich.
- Broker vergleichen: Die Gebührenmodelle unterscheiden sich stark. In unserem Broker Vergleich fließen die Kosten als eigene Kategorie in die Note ein, wie genau, legt unser Bewertungsmodell offen.
Fazit
Trading-Gebühren sind planbar, wenn du die beiden großen Blöcke kennst: Kommissionen und Spread fallen bei jedem Trade an und treffen vor allem aktive Trader, Finanzierungskosten wachsen mit jeder Nacht und belasten vor allem gehebelte Positionen mit langer Haltedauer. Rechne beide immer in Bezug zu deinem Konto und deiner Margin, nicht nur in Euro pro Trade. Eine Strategie, die vor Kosten knapp profitabel ist, verliert nach Kosten oft Geld.
Häufige Fragen
Was sind Finanzierungskosten beim Trading?
Finanzierungskosten sind Zinsen, die dein Broker berechnet, wenn du eine gehebelte Position wie einen CFD über Nacht hältst. Sie richten sich nach dem Positionswert, einem Referenzzins und einem Aufschlag des Brokers. Schließt du die Position vor dem Stichtag am Abend, fallen sie nicht an.
Was ist der Unterschied zwischen Kommission und Spread?
Die Kommission ist eine ausgewiesene Gebühr pro Order. Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs und steckt im Preis. Viele CFD-Broker verzichten auf eine Kommission und verdienen über einen breiteren Spread, deshalb solltest du beide Kosten immer zusammen vergleichen.
Wann fallen Overnight-Gebühren an?
Overnight-Gebühren fallen an, wenn eine gehebelte Position zum täglichen Stichtag des Brokers noch offen ist, meist am späten Abend deutscher Zeit. Für das Wochenende berechnen viele Broker an einem Wochentag die dreifache Gebühr.
Kann man beim Swap auch Geld bekommen?
Ja. Bei Devisen kann der Swap positiv sein, wenn du die Währung mit dem höheren Zins kaufst und die Zinsdifferenz größer ist als der Aufschlag des Brokers. Bei Short-Positionen in CFDs ist eine Gutschrift möglich, wenn der Referenzzins über dem Aufschlag liegt.
Fallen bei Futures Finanzierungskosten an?
Eine tägliche Übernachtgebühr gibt es bei Futures nicht. Die Finanzierung ist bereits im Futures-Preis enthalten. Hältst du eine Position über den Verfall hinaus, zahlst du beim Rollover auf den nächsten Kontrakt aber erneut Kommission und Spread.
Wie viel kostet ein Trade im Durchschnitt?
Das hängt von Markt, Broker und Positionsgröße ab und reicht von wenigen Cent bis zu mehreren Euro pro Round Turn. Entscheidend ist der Anteil an deinem Konto: Rechne aus, wie viel Prozent deines Kapitals die Kosten pro Monat ausmachen, und vergleiche das mit deinem erwarteten Ertrag.
Risikohinweis: Trading mit Hebelprodukten wie CFDs und Futures ist mit hohen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Alle Gebühren in den Beispielen sind angenommene Werte. Die Inhalte dieser Seite sind keine Anlageberatung.