Was ist Prop-Trading?
Das Wichtigste in Kürze * Beim Prop-Trading handelst du nicht dein eigenes Geld, sondern das einer Handelsfirma — und bekommst einen Anteil am Gewinn, den Profit Split. Üblich sind 70 bis 90 Prozent für den Trader. * Zugang gibt es fast immer über eine Challenge: ein Gewinnziel von meist 8 bis 10 Prozent erreichen, ohne die Verlustgrenzen zu reißen. * Die zwei entscheidenden Regeln sind der tägliche Verlust (oft 4 bis 5 Prozent) und der maximale Verlust (oft 6 bis 12 Prozent). Ein einziger
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Prop-Trading handelst du nicht dein eigenes Geld, sondern das einer Handelsfirma — und bekommst einen Anteil am Gewinn, den Profit Split. Üblich sind 70 bis 90 Prozent für den Trader.
- Zugang gibt es fast immer über eine Challenge: ein Gewinnziel von meist 8 bis 10 Prozent erreichen, ohne die Verlustgrenzen zu reißen.
- Die zwei entscheidenden Regeln sind der tägliche Verlust (oft 4 bis 5 Prozent) und der maximale Verlust (oft 6 bis 12 Prozent). Ein einziger Verstoß beendet das Konto.
- Die Challenge kostet eine Gebühr — je nach Kontogröße etwa 50 bis 600 Euro, häufig rückerstattbar mit der ersten Auszahlung.
- Prop-Trading ist kein Brokerkonto: Es gibt keine Einlagensicherung, kein eigenes Kapital auf dem Konto und in der Regel keine Finanzaufsicht über das Prüfmodell.
Wie Prop-Trading funktioniert
„Proprietary Trading“ heißt ursprünglich: Ein Haus handelt mit eigenem Kapital statt mit Kundengeldern. Was heute unter dem Begriff beworben wird, ist eine jüngere Spielart — Firmen stellen externen Tradern Kapital zur Verfügung, nachdem diese eine Prüfung bestanden haben.
Der Ablauf ist bei fast allen Anbietern gleich:
- Kontogröße wählen — typisch zwischen 10.000 und 200.000 Einheiten Handelskapital.
- Challenge kaufen und die Prüfung in einer Handelsumgebung absolvieren.
- Gewinnziel erreichen, ohne die Verlustgrenzen zu verletzen. Manche Anbieter prüfen in zwei Stufen, die zweite mit niedrigerem Ziel.
- Funded Account erhalten — das Konto, auf dem später die Auszahlungen entstehen. Details dazu im Artikel Funded Account.
- Auszahlungen in festen Zyklen, meist alle 14 bis 30 Tage, nach Identitätsprüfung.
Die typischen Regeln
Die Regeln sind der eigentliche Kern des Modells — sie entscheiden, wer besteht.
Gewinnziel
Meist 8 bis 10 Prozent in der ersten Stufe, 4 bis 5 Prozent in der zweiten. Einige Anbieter verzichten auf ein Ziel und prüfen stattdessen über eine Mindestanzahl gehandelter Tage.
Täglicher Verlust
Die härteste Regel im Alltag: Sinkt das Konto an einem Tag um mehr als vier bis fünf Prozent, ist es verloren. Gemessen wird je nach Anbieter ab dem Kontostand bei Tagesbeginn oder ab dem höchsten Stand des Tages — der Unterschied ist erheblich und steht im Regelwerk.
Maximaler Verlust
Die absolute Untergrenze des Kontos, meist 6 bis 12 Prozent. Sie ist entweder statisch (fest ab Startkapital) oder nachziehend (sie wandert mit neuen Kontohöchstständen mit). Wie beide Varianten rechnen, steht im Artikel Drawdown.
Weitere Auflagen
- Mindesthandelstage, damit das Ziel nicht mit einem einzigen Trade erreicht wird.
- Consistency Rule: Kein einzelner Tag darf mehr als einen bestimmten Anteil des Gesamtgewinns ausmachen.
- Zeitfenster: Verbote rund um Nachrichtentermine, Positionen über Nacht oder über das Wochenende.
- Verbotene Techniken: Latenz- und Arbitrage-Strategien, kopierte Trades über mehrere Konten, Hedging zwischen Konten.
Diese Auflagen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter stärker als die Gewinnziele — und sie sind der häufigste Grund, warum ein bereits finanziertes Konto verloren geht. Unser Prop-Trading-Vergleich erfasst sie deshalb je Firma.
Was Prop-Trading kostet
Bezahlt wird die Prüfung, nicht das Kapital. Die Gebühr richtet sich nach der Kontogröße und liegt meist zwischen 50 Euro für kleine und rund 600 Euro für große Konten. Dazu kommen:
- Reset-Gebühren, wenn eine gescheiterte Challenge neu gestartet wird.
- Rückerstattung: Viele Anbieter zahlen die Gebühr mit der ersten Auszahlung zurück — an Bedingungen geknüpft.
- Laufende Kosten im Konto: Spreads und Kommissionen fallen auch in der simulierten Umgebung an und zählen auf das Ergebnis.
Simuliert oder echt?
Der wichtigste Punkt, den Werbung gern übergeht: Bei den meisten Anbietern läuft auch der Funded Account in einer simulierten Umgebung. Die Trades werden nicht zwangsläufig an einem Markt ausgeführt; das Konto bildet den Markt nach, und die Firma zahlt Gewinne aus der eigenen Kasse.
Daraus folgt das Geschäftsmodell: Ein Teil der Einnahmen stammt aus Challenge-Gebühren von Tradern, die nicht bestehen. Einige Firmen leiten die Order erfolgreicher Trader an echte Liquidität weiter, andere behalten das Risiko im Haus. Beides ist zulässig — aber es erklärt, warum Regelwerk, Auszahlungsdisziplin und Kapitaldecke des Anbieters so viel wichtiger sind als die beworbene Kontogröße.
Risiken, die du kennen solltest
- Kein Einlagenschutz. Du zahlst eine Gebühr, kein Kapital ein — es gibt nichts, was eine Sicherung ersetzen könnte. Fällt der Anbieter aus, ist ein offener Gewinnanspruch eine Forderung wie jede andere.
- Regeländerungen. Bedingungen können sich ändern; maßgeblich ist das Regelwerk zum Zeitpunkt des Kontos.
- Auszahlungspraxis. Ob eine Firma zuverlässig zahlt, zeigt sich erst über Monate. Zahlungsnachweise und die Dauer am Markt sagen mehr als Rabattaktionen.
- Psychologischer Druck. Enge Verlustgrenzen erzwingen kleine Positionen. Wer sie ignoriert, verliert das Konto meist in den ersten Tagen.
Zu den allgemeinen Risiken gehandelter Produkte siehe unsere Risikohinweise.
Für wen sich Prop-Trading eignet
Für Trader mit einer Strategie, die bereits über mehrere Monate belastbar ist, und mit der Disziplin, feste Verlustgrenzen einzuhalten. Das Modell löst genau ein Problem: zu wenig Kapital bei vorhandener Strategie.
Es löst nicht das Problem einer fehlenden Strategie. Wer im eigenen Depot keine stabilen Ergebnisse erzielt, erzielt sie mit fremdem Kapital und zusätzlichen Regeln erst recht nicht — die Challenge-Gebühr ist dann ein teurer Umweg.
Häufige Fragen
Ist Prop-Trading seriös?
Das Modell selbst ist legal und etabliert, die Anbieter sind es unterschiedlich. Seriöse Firmen veröffentlichen ihr Regelwerk vollständig, zahlen nachweislich aus und werben nicht mit garantierten Erträgen. Prüfbar sind vor allem: Dauer am Markt, Auszahlungsnachweise, Klarheit der Regeln und ob eine reale Gesellschaft mit Sitz und Impressum dahintersteht.
Wie viel kostet eine Prop-Trading-Challenge?
Je nach Kontogröße etwa 50 bis 600 Euro einmalig. Viele Anbieter erstatten die Gebühr mit der ersten Auszahlung. Ein Neustart nach gescheitertem Versuch kostet erneut, teils vergünstigt als Reset.
Wie hoch ist der Profit Split?
Üblich sind 70 bis 90 Prozent für den Trader; einige Anbieter zahlen die erste Auszahlung zu 100 Prozent oder erhöhen den Anteil mit der Kontogröße. Entscheidend ist, worauf sich der Anteil bezieht — auf den Nettogewinn nach Kosten oder auf den Bruttogewinn.
Muss ich Prop-Trading-Gewinne versteuern?
Ja. Auszahlungen einer Prop Firm sind keine Kapitalerträge im Sinne der Abgeltungsteuer, weil du kein eigenes Kapital anlegst — es ist eine Vergütung für eine Leistung. Wie sie einzuordnen ist, hängt vom Einzelfall ab und gehört zum Steuerberater. Das hier ist keine Steuerberatung.
Brauche ich für Prop-Trading eigenes Kapital?
Für den Handel nicht, für die Challenge schon: Die Prüfgebühr zahlst du selbst und verlierst sie, wenn du scheiterst. Rechne mit mehreren Versuchen, bevor die erste Auszahlung kommt.
Wie viele Trader bestehen die Challenge?
Anbieter veröffentlichen dazu selten belastbare Zahlen; wo sie es tun, liegen die Quoten im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Plane deshalb mit der Gebühr als Einsatz, nicht als Investition.