Was ist ein Drawdown?
Das Wichtigste in Kürze * Ein Drawdown ist der Rückgang eines Kontos von seinem bisherigen Höchststand bis zum tiefsten Punkt danach — gemessen in Prozent dieses Höchststands. * Der maximale Drawdown ist der größte dieser Rückgänge über einen Zeitraum. Er ist die gebräuchlichste Risikokennzahl einer Strategie. * Im Prop-Trading ist der Drawdown keine Statistik, sondern eine Regel: Meist 4 bis 5 Prozent am Tag und 6 bis 12 Prozent insgesamt, ein Verstoß beendet das Konto. * Entscheidend is
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Drawdown ist der Rückgang eines Kontos von seinem bisherigen Höchststand bis zum tiefsten Punkt danach — gemessen in Prozent dieses Höchststands.
- Der maximale Drawdown ist der größte dieser Rückgänge über einen Zeitraum. Er ist die gebräuchlichste Risikokennzahl einer Strategie.
- Im Prop-Trading ist der Drawdown keine Statistik, sondern eine Regel: Meist 4 bis 5 Prozent am Tag und 6 bis 12 Prozent insgesamt, ein Verstoß beendet das Konto.
- Entscheidend ist, wogegen gemessen wird: gegen den Kontostand bei Tagesbeginn, gegen das Tageshoch oder gegen einen mitlaufenden Höchststand.
- Die Erholung ist überproportional: Nach −50 Prozent braucht es +100 Prozent, um wieder bei null zu sein.
Wie ein Drawdown berechnet wird
Die Formel ist einfach:
Drawdown = (Höchststand − Tiefststand danach) ÷ Höchststand × 100
Ein Konto steigt von 10.000 auf 12.000 Euro und fällt anschließend auf 9.600 Euro. Der Drawdown beträgt (12.000 − 9.600) ÷ 12.000 = 20 Prozent. Gerechnet wird also vom Hoch, nicht vom Einstand — auch wenn das Konto gegenüber dem Start nur 4 Prozent im Minus liegt.
Zwei Bezugsgrößen sind dabei zu unterscheiden:
- Balance: der realisierte Kontostand, also nur abgeschlossene Trades.
- Equity: der Kontostand inklusive offener Positionen.
Viele Regelwerke messen auf Equity. Dann zählt auch ein zwischenzeitlicher Buchverlust, der sich später auflöst — ein Konto kann reißen, ohne dass je ein Verlust realisiert wurde.
Maximaler Drawdown
Der maximale Drawdown ist der tiefste Einbruch, den ein Konto oder eine Strategie im betrachteten Zeitraum erlebt hat. Er beantwortet die Frage, die eine Renditeangabe offenlässt: Wie schlimm wurde es zwischendurch?
Zwei Strategien mit je 30 Prozent Jahresrendite sind nicht gleich gut, wenn die eine zwischenzeitlich 8 und die andere 45 Prozent verloren hat. Deshalb steht der maximale Drawdown in jedem ernsthaften Strategiebericht — und deshalb ist er die Größe, an der Prop Firms ihre Konten ausrichten.
Täglicher Drawdown
Der tägliche Drawdown begrenzt den Verlust innerhalb eines Handelstages. Gemessen wird auf zwei Arten, und der Unterschied ist groß:
- Ab Tagesbeginn: Grundlage ist der Kontostand zum Start des Handelstages. Gewinne des Tages vergrößern den Spielraum nicht.
- Ab Tageshoch: Grundlage ist der höchste Stand des Tages. Wer vormittags im Plus liegt, hat nachmittags weniger Luft als beim Start.
Ein Beispiel bei 100.000 Euro Konto und 5 Prozent Tageslimit: Startet der Tag bei 100.000, liegt die Grenze bei 95.000. Steigt das Konto bis mittags auf 103.000, bleibt sie bei der ersten Variante unverändert — bei der zweiten wandert sie auf 97.850 Euro. Dieselbe Bewegung reißt einmal das Konto und einmal nicht.
Dazu kommt der Zeitpunkt des Tageswechsels: Er liegt meist um Mitternacht in einer festgelegten Zeitzone, oft der des Anbieters oder der Handelsplattform, nicht zwingend in deiner.
Statischer und nachziehender Drawdown
Beim statischen (festen) maximalen Drawdown liegt die Untergrenze ab Beginn fest: 100.000 Euro Konto, 10 Prozent Limit, Grenze bei 90.000 Euro. Sie bleibt dort, egal wie gut es läuft.
Beim nachziehenden (trailing) Drawdown wandert die Grenze mit jedem neuen Höchststand mit. Dasselbe Konto steigt auf 105.000 Euro, die Grenze steigt auf 95.000 Euro. Fällt das Konto danach auf 96.000 zurück, sind es zwar nur 4 Prozent Minus gegenüber dem Start — aber nur noch 1.000 Euro Abstand zur Grenze.
Viele Anbieter lassen die nachziehende Grenze auf dem Einstandsniveau stehenbleiben: Sobald der Gewinn die Höhe des Limits erreicht hat, friert sie bei 100.000 Euro ein. Ab diesem Punkt ist das Konto nicht mehr in Gefahr, solange es im Plus bleibt. Ob und wann das gilt, steht im Regelwerk — es ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen zwei sonst gleich aussehenden Angeboten.
Warum die Erholung überproportional ist
Ein Verlust und der Gewinn, der ihn ausgleicht, sind nicht gleich groß — weil der Gewinn auf einer kleineren Basis anfällt.
| Drawdown | nötiger Gewinn zur Erholung |
|---|---|
| −5 % | +5,3 % |
| −10 % | +11,1 % |
| −20 % | +25,0 % |
| −30 % | +42,9 % |
| −50 % | +100,0 % |
| −70 % | +233,3 % |
Genau hier liegt der Grund für enge Verlustgrenzen: Wer bei 10 Prozent Rückgang die Reißleine zieht, braucht 11 Prozent zur Erholung. Wer bis 50 Prozent laufen lässt, muss sein Restkapital verdoppeln.
Drawdown im Prop-Trading
Im eigenen Depot ist der Drawdown eine Kennzahl, im Prop-Trading eine harte Abbruchbedingung. Die Regelwerke kombinieren beides: ein Tageslimit gegen den schlechten Tag, ein Gesamtlimit gegen die schlechte Serie. Reißt eines der beiden, ist das Konto beendet — in der Challenge wie im Funded Account.
Vor der Auswahl eines Anbieters lohnen deshalb vier Fragen:
- Balance oder Equity?
- Tageslimit ab Tagesbeginn oder ab Tageshoch?
- Gesamtlimit statisch oder nachziehend — und friert es auf Einstandsniveau ein?
- Wann genau beginnt der neue Handelstag?
Wie die Anbieter das jeweils handhaben, steht im Prop-Trading-Vergleich; die Grundlagen des Modells erklärt der Artikel Prop-Trading.
Welcher Drawdown akzeptabel ist
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht — wohl aber einen praktischen Maßstab: Der maximale Drawdown sollte so bemessen sein, dass du die Strategie währenddessen weiter handeln kannst, ohne sie zu ändern. Eine Strategie, die du bei 25 Prozent Rückgang abschaltest, hat faktisch ein Limit von 25 Prozent, egal was der Rückrechnungsbericht ausweist.
Hilfreich ist außerdem, den Drawdown nicht nur in Prozent, sondern in Zeit zu messen: Wie lange dauerte es vom Hoch bis zum neuen Hoch? Monate unter Wasser sind schwerer auszuhalten als ein kurzer, tiefer Einbruch.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den maximalen Drawdown?
Höchststand minus tiefster Stand danach, geteilt durch den Höchststand, mal 100. Ein Rückgang von 12.000 auf 9.600 Euro entspricht 20 Prozent. Maßgeblich ist immer der vorherige Höchststand, nicht der Einstand.
Was ist der Unterschied zwischen täglichem und maximalem Drawdown?
Der tägliche Drawdown begrenzt den Verlust innerhalb eines Handelstages und setzt sich beim Tageswechsel zurück. Der maximale Drawdown ist die absolute Untergrenze des Kontos über die gesamte Laufzeit. Beide gelten parallel.
Was bedeutet Trailing Drawdown?
Die Verlustgrenze wandert mit jedem neuen Kontohöchststand nach oben. Gewinne erhöhen damit auch die Untergrenze — bei vielen Anbietern nur so lange, bis sie das Einstandsniveau erreicht hat, danach bleibt sie dort stehen.
Wird der Drawdown auf Balance oder Equity gemessen?
Das legt der Anbieter fest. Bei Equity zählen offene Positionen mit, ein Buchverlust kann das Konto also reißen, bevor er realisiert ist. Bei Balance zählen nur geschlossene Trades. Equity ist die strengere und die häufigere Variante.
Wie hoch darf der Drawdown sein?
Im eigenen Depot entscheidest du das selbst — sinnvoll ist die Grenze, bei der du die Strategie noch unverändert weiterhandelst. Im Prop-Trading gibt der Anbieter sie vor: meist 4 bis 5 Prozent am Tag und 6 bis 12 Prozent insgesamt.
Was passiert, wenn ich den Drawdown überschreite?
Das Konto wird gesperrt und offene Positionen werden geschlossen. In der Challenge bedeutet das den Fehlversuch, im finanzierten Konto das Ende — samt der bis dahin nicht ausgezahlten Gewinne, je nach Regelwerk.