Long und Short erklärt: Was bedeutet Long gehen und Short gehen?
Long und Short beschreiben die zwei Richtungen, in die du beim Trading handeln kannst: Mit einer Long-Position setzt du auf steigende Kurse, mit einer Short-Position auf fallende. Long gehen heißt kaufen und später teurer verkaufen, Short gehen heißt zuerst verkaufen und später günstiger zurückkaufen. Beide Richtungen sind beim Trading alltäglich, ihre Risiken unterscheiden sich aber deutlich. In diesem Ratgeber erklären wir beide Positionen mit Rechenbeispielen und zeigen, worauf du beim Short
Long und Short beschreiben die zwei Richtungen, in die du beim Trading handeln kannst: Mit einer Long-Position setzt du auf steigende Kurse, mit einer Short-Position auf fallende. Long gehen heißt kaufen und später teurer verkaufen, Short gehen heißt zuerst verkaufen und später günstiger zurückkaufen. Beide Richtungen sind beim Trading alltäglich, ihre Risiken unterscheiden sich aber deutlich. In diesem Ratgeber erklären wir beide Positionen mit Rechenbeispielen und zeigen, worauf du beim Short gehen achten musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Long: Du kaufst und profitierst von steigenden Kursen. Ohne Hebel ist dein Verlust auf den Einsatz begrenzt.
- Short: Du verkaufst zuerst und profitierst von fallenden Kursen. Da ein Kurs theoretisch unbegrenzt steigen kann, ist auch der mögliche Verlust unbegrenzt.
- Rechenbeispiel: Verkaufst du 10 Aktien short zu 100 € und kaufst sie zu 90 € zurück, gewinnst du 100 €. Steigt der Kurs auf 130 €, verlierst du 300 €.
- Produkte: Short gehen kannst du mit CFDs, Futures, Put-Optionen, Short-Zertifikaten oder einem echten Leerverkauf.
- Regeln in der EU: Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien ab 0,1 Prozent des Aktienkapitals müssen der Aufsicht gemeldet und ab 0,5 Prozent veröffentlicht werden.
Was bedeutet Long und Short?
| Long | Short | |
|---|---|---|
| Erwartung | Der Kurs steigt (bullish) | Der Kurs fällt (bearish) |
| Einstieg | Kaufen | Verkaufen |
| Ausstieg | Verkaufen | Zurückkaufen |
| Gewinn, wenn | der Verkaufskurs über dem Kaufkurs liegt | der Rückkaufkurs unter dem Verkaufskurs liegt |
| Maximaler Gewinn | theoretisch unbegrenzt | höchstens bis der Kurs auf null fällt |
| Maximaler Verlust ohne Hebel | der gesamte Einsatz | theoretisch unbegrenzt |
Die Begriffe stammen aus dem Englischen: „long“ steht für das Halten eines Werts, „short“ dafür, dass dir der Wert beim Verkauf fehlt, du also „kurz“ bist. Im Börsenjargon heißt eine positive Markterwartung bullish, eine negative bearish.
Long gehen: auf steigende Kurse setzen
Long gehen ist die klassische Art zu investieren. Du kaufst einen Wert, weil du erwartest, dass sein Kurs steigt, und verkaufst ihn später mit Gewinn. Wer eine Aktie im Depot hat, ist automatisch long.
Ein Beispiel: Du kaufst 10 Aktien zu je 100 €, insgesamt also für 1.000 €. Steigt der Kurs auf 110 €, verkaufst du für 1.100 € und machst 100 € Gewinn vor Kosten. Fällt der Kurs auf 80 €, verlierst du 200 €. Im schlimmsten Fall, wenn das Unternehmen pleitegeht, sind die 1.000 € weg, mehr kannst du ohne Hebel nicht verlieren. Wie der Handel mit echten Aktien funktioniert, erklären wir im Wiki zum Aktien Trading.
Short gehen: auf fallende Kurse setzen
Beim Short gehen drehst du die Reihenfolge um: Du verkaufst zuerst und kaufst später zurück. Ist der Kurs in der Zwischenzeit gefallen, behältst du die Differenz als Gewinn.
Wie funktioniert ein Leerverkauf?
Bei einem klassischen Leerverkauf verkaufst du Aktien, die du nicht besitzt. Dafür leiht dir dein Broker die Aktien von einem anderen Anleger, und du verkaufst sie sofort am Markt. Später kaufst du dieselbe Anzahl zurück und gibst sie dem Verleiher zurück. Für die Leihe zahlst du eine Gebühr, die bei stark nachgefragten Aktien hoch sein kann. Schüttet das Unternehmen in dieser Zeit eine Dividende aus, musst du sie dem Verleiher ersetzen.
Rechenbeispiel Short
Du verkaufst 10 Aktien short zu je 100 €.
| Kurs beim Rückkauf | Ergebnis vor Kosten |
|---|---|
| 90 € | +100 € |
| 80 € | +200 € |
| 100 € | 0 € |
| 130 € | -300 € |
| 200 € | -1.000 € |
Der Gewinn ist begrenzt, denn tiefer als auf null kann der Kurs nicht fallen. Der Verlust dagegen wächst mit jedem Euro, den der Kurs steigt.
Mit welchen Produkten kannst du short gehen?
Für Privatanleger ist der echte Leerverkauf eher die Ausnahme. Meist nutzen Trader Derivate, mit denen sich fallende Kurse genauso einfach handeln lassen wie steigende.
| Produkt | So gehst du short | Besonderheit |
|---|---|---|
| CFDs | Position mit „Verkaufen“ eröffnen | gehebelt, Übernachtfinanzierung bei Haltedauer über Nacht |
| Futures | Kontrakt verkaufen | gehebelt, Long und Short sind gleichwertig |
| Put-Optionen | Recht kaufen, zu einem festen Preis zu verkaufen | Verlust auf den Kaufpreis begrenzt, Wertverlust durch Zeit |
| Knock-out-Zertifikate (Short) | Zertifikat kaufen, das bei fallenden Kursen steigt | Verlust auf den Kaufpreis begrenzt, Knock-out-Schwelle |
| Short-ETFs und Faktor-Zertifikate | Produkt kaufen, das sich gegenläufig zum Basiswert entwickelt | für kurze Zeiträume gedacht, Verluste bei Seitwärtsphasen |
| Echter Leerverkauf | Aktien leihen und verkaufen | Leihgebühr, Dividendenausgleich, nur bei manchen Brokern |
Bei CFDs und Futures eröffnest du eine Short-Position mit einem einzigen Klick auf „Verkaufen“. Wie diese Produkte funktionieren, erklären wir im Wiki zu CFDs und dem Forex-Handel und zum Futures Trading. Bei Put-Optionen und Short-Zertifikaten kaufst du dagegen ein Produkt, dein Verlust ist deshalb auf den Kaufpreis begrenzt. Grundlagen zu Optionen findest du ebenfalls im Wiki.
Nicht jeder Broker bietet alle Varianten an. Ob du bei einem Anbieter short gehen kannst und mit welchen Produkten, zeigt unser Broker Vergleich.
Risiken beim Short Trading
Unbegrenztes Verlustpotenzial
Bei einer Short-Position ohne Absicherung gibt es keine natürliche Verlustgrenze. Setze deshalb immer einen Stop-Loss und berechne deine Positionsgröße so, dass dich ein Ausstoppen höchstens 1 bis 2 Prozent deines Kontos kostet. Wie das geht, zeigen wir im Leitfaden Trading lernen.
Short Squeeze
Ein Short Squeeze entsteht, wenn der Kurs eines stark leerverkauften Werts steigt und viele Short-Trader gleichzeitig zurückkaufen müssen, um ihre Verluste zu begrenzen. Ihre Käufe treiben den Kurs weiter nach oben. Das bekannteste Beispiel ist GameStop: Die Aktie stieg im Januar 2021 innerhalb weniger Wochen von rund 20 Dollar auf in der Spitze über 480 Dollar, gerechnet vor dem späteren Aktiensplit.
Laufende Kosten
Eine Short-Position kostet Geld, solange sie offen ist: Leihgebühren beim Leerverkauf, Übernachtfinanzierung bei CFDs und der Ausgleich von Dividenden. Je länger du short bist, desto stärker fallen diese Kosten ins Gewicht.
Der langfristige Trend spricht gegen dich
Aktienmärkte sind in der Vergangenheit langfristig gestiegen. Wer dauerhaft short ist, handelt gegen diesen Grundtrend. Short-Positionen eignen sich deshalb eher für kürzere Zeiträume oder zur Absicherung.
Welche Regeln gelten für Leerverkäufe in der EU?
Die EU-Leerverkaufsverordnung regelt den Handel mit Short-Positionen in Aktien:
- Ungedeckte Leerverkäufe von Aktien sind grundsätzlich verboten. Vor dem Verkauf muss die Lieferung der Aktien gesichert sein, etwa durch eine Wertpapierleihe.
- Meldepflicht: Netto-Leerverkaufspositionen ab 0,1 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals müssen der Aufsicht gemeldet werden, in Deutschland der BaFin.
- Veröffentlichung: Ab 0,5 Prozent wird die Position öffentlich bekannt gemacht, in Deutschland im Bundesanzeiger.
Für Privatanleger mit kleinen Positionen spielen die Meldeschwellen in der Praxis kaum eine Rolle. Die veröffentlichten Positionen großer Marktteilnehmer zeigen dir aber, bei welchen Aktien viel auf fallende Kurse gesetzt wird.
Long und Short zur Absicherung
Short-Positionen dienen nicht nur der Spekulation, sondern auch der Absicherung, dem sogenannten Hedging. Hast du ein Aktiendepot und rechnest kurzfristig mit fallenden Kursen, kannst du einen Teil des Risikos mit einer Short-Position auf einen passenden Index abfedern, ohne deine Aktien zu verkaufen. Fallen die Kurse, gleicht der Gewinn der Short-Position einen Teil der Depotverluste aus. Steigen sie, verlierst du auf der Short-Seite, was du im Depot gewinnst.
Long und Short im Trading-Alltag
Beim Daytrading und Swing Trading wechseln viele Trader je nach Marktlage zwischen Long und Short. Eine verbreitete Regel lautet, mit dem übergeordneten Trend zu handeln: in einem Aufwärtstrend vor allem long, in einem Abwärtstrend vor allem short. Für Einsteiger ist es meist leichter, sich zunächst auf eine Richtung zu konzentrieren und Short-Trades erst dann hinzuzunehmen, wenn das Risikomanagement sitzt.
Typische Fehler bei Long und Short
- Short ohne Stop-Loss: Bei steigenden Kursen wächst der Verlust ohne Grenze.
- Gegen einen starken Trend shorten: Ein Markt kann deutlich länger steigen, als es logisch erscheint.
- Kosten unterschätzen: Leihgebühren, Finanzierung und Dividendenausgleich machen lange Short-Positionen teuer.
- Short-ETFs oder Faktor-Zertifikate lange halten: Durch die tägliche Neuberechnung verlieren sie in Seitwärtsphasen an Wert.
- Verluste verdoppeln: Wer eine verlierende Short-Position aufstockt, weil der Kurs „doch fallen muss“, riskiert einen Short Squeeze.
Fazit
Long und Short sind die beiden Richtungen des Tradings: Long profitiert von steigenden, Short von fallenden Kursen. Bei Long-Positionen ohne Hebel ist der Verlust auf den Einsatz begrenzt, bei Short-Positionen ist er theoretisch unbegrenzt. Mit CFDs und Futures ist Short gehen technisch genauso einfach wie Long gehen, das Risiko aber höher. Wer short handelt, braucht deshalb einen festen Stop-Loss, eine sauber berechnete Positionsgröße und ein Auge auf die laufenden Kosten.
Häufige Fragen
Was bedeutet Long und Short?
Long bedeutet, dass du einen Wert kaufst und auf steigende Kurse setzt. Short bedeutet, dass du einen Wert zuerst verkaufst und auf fallende Kurse setzt, um ihn später günstiger zurückzukaufen. Beide Begriffe beschreiben die Richtung deiner Position.
Was heißt Short gehen?
Short gehen heißt, auf fallende Kurse zu setzen. Du verkaufst einen Wert, den du nicht besitzt, zum Beispiel über einen CFD, einen Future oder einen Leerverkauf, und kaufst ihn später zurück. Liegt der Rückkaufkurs unter dem Verkaufskurs, machst du Gewinn.
Kann man beim Short mehr verlieren als eingesetzt?
Bei einem Leerverkauf und bei Futures ja, weil ein Kurs theoretisch unbegrenzt steigen kann. Bei CFDs schützt dich als Privatanleger in der EU der Negativsaldoschutz vor Verlusten über dein Kontoguthaben hinaus. Bei Put-Optionen und Short-Zertifikaten ist der Verlust auf den Kaufpreis begrenzt.
Was ist ein Short Squeeze?
Ein Short Squeeze ist ein starker Kursanstieg, der dadurch entsteht, dass viele Short-Trader gleichzeitig zurückkaufen müssen. Ihre Käufe treiben den Kurs weiter nach oben und zwingen weitere Short-Trader zum Ausstieg. Bekanntestes Beispiel ist die GameStop-Aktie im Januar 2021.
Ist Short Trading für Anfänger geeignet?
Nur eingeschränkt. Short-Positionen haben ein höheres Verlustrisiko als Long-Positionen und verursachen laufende Kosten. Einsteiger sollten Short-Trades erst im Demokonto üben, immer einen Stop-Loss setzen und die Positionsgröße klein halten.
Was kostet eine Short-Position?
Neben Kommission und Spread fallen je nach Produkt laufende Kosten an: Leihgebühren beim Leerverkauf, Übernachtfinanzierung bei CFDs und der Ausgleich von Dividenden, die während der Haltedauer gezahlt werden. Bei Futures ist die Finanzierung im Kontraktpreis enthalten.
Risikohinweis: Short-Positionen haben ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko. Trading mit Hebelprodukten wie CFDs und Futures kann zum Totalverlust und bei Futures zu Verlusten über das eingesetzte Kapital hinaus führen. Die Inhalte dieser Seite sind keine Anlageberatung.